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Anatomie

Bild 1

Zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf laufen die vier Rotatorenmanschettensehnen. Insbesondere die Supraspinatussehne wird stark mechanisch belastet. Diese Sehne ist ähnlich wie der Meniskus am Knie minderdurchblutet.

Bei Überlastung aber auch beim Elastizitätsverlust im Alter kann es zu einer chronischen Entzündung und zu einem Abriss (Bild 1) der Sehne am Oberarmkopf kommen. Selten können auch große Gewalteinwirkungen die Sehne abreißen lassen.

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Therapie

Bild 2

Die Behandlung der Rotatorenmanschette muss differenziert betrachtet werden. In die Überlegungen fließen insbesondere die Größe und der Retraktionsgrad des Risses ein, außerdem das Alter des Patienten und das Schmerzniveau.

Konservative Therapie

Konservativ therapiert werden sollten große Defekte bei über 60-jährigen Patienten. Das Risiko des erneuten Risses ist relativ hoch und liegt je nach Literatur zwischen 30 und 40 Prozent.

Grundsätzlich alle Defekte mit einem Retraktionsgrad III (Zurückziehen der Sehne zur Körperseite des Oberarmes hin) sollten ebenfalls in allen Altersklassen zunächst konservativ behandelt werden.

Kleinere Defekte mit geringeren Schmerzen bei über 70-jährigen Patienten können ebenfalls zunächst einer konservativen Behandlung bedacht werden.

Therapieoptionen

  • Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten, z.B. Ibuprofen und Diclofenac
  • Injektionen von Corticoiden und/oder Hyaluronsäure in den Schleimbeutel unter dem Schulterdach
  • Krankengymnastik, akut in Verbindung mit Kälte und im chronischen Stadium mit Wärmeapplikation
  • Hilfreich ist auch die Akupunktur zur Stimulation der entzündungshemmenden Akupunkturpunkte
  • Vermeidung von Überkopftätigkeiten, insbesondere Sportarten wie Tennis, Volleyball etc.

Operative Therapie

Eine OP-Notwendigkeit besteht

a) bei kleinen symptomatischen Rissen unabhängig vom Alter des Patienten

b) bei großen symptomatischen Rissen bei unter 60-jährigen Patienten und

c) bei den unfallbedingten Sehnenrissen der Schulter.

Grundsätzlich verfügen wir über zwei technische Optionen:

  • 1. Die Naht (Bild 2) der Rotatorenmanschette mittels Schlüssellocheingriff (Arthroskopie)
  • 2. Die herkömmliche offene Rotatorenmanschettennaht.

1. Technik der arthroskopischen Sehnennaht

Bei dem Schlüssellocheingriff erfolgt zunächst ein Blick in das Schulterhauptgelenk, um Begleitverletzungen z.B. an der Bizepssehne zu objektivieren. Anschließend wird mit dem Arthroskop der Schleimbeutel punktiert.

Von außen wird ein rotierendes Messer eingeführt und unter Sog der Schleimbeutel entfernt. Jetzt kann die Rotatorenmanschette frei inspiziert werden. Mit dem Shaver werden die Sehnenränder angefrischt.

Anschließend erfolgt, wie im entsprechenden Kapitel beschrieben, die Erweiterung des Schulterdaches, um für die darunter liegenden Sehnen mehr Platz zu schaffen.

Der Oberarmknochen, an dem die Sehne refixiert werden soll, wird ebenfalls bis auf den frisch blutenden Knochen angefrischt. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass ein Einheilen der Sehne am Knochen erfolgen kann.

Anschließend werden, je nach Größe des Defektes, eine bis vier Anker in den Oberarmknochen eingedreht.

Die Fäden an diesen Implantaten werden mit Fasszangen durch die Sehne transportiert und unter Druck auf den Knochen geknotet. Hierbei wird möglichst eine flächenhafte Anheftung der Sehne am Oberarmknochen angestrebt.

2. Offene Rotatorenmanschettennaht

Bei sehr großen Defekten bzw. bei zurückgezogenen Sehnen kann es notwendig sein, diese offen zu nähen. Hierzu erfolgt zunächst eine Spiegelung des Gelenkes zum Ausschluss von Begleitverletzungen.

Die Rotatorenmanschette wird arthroskopisch gesteuert mobilisiert, anschließend die Erweiterung des Schulterdaches mit der Walzenfräse vorgenommen.

Jetzt wird auf das offene Verfahren gewechselt. Im Faserverlauf der Deltamuskulatur wird das Gelenk eröffnet und die Sehne in einer besonderen Knotentechnik gefasst.

Anschließend werden die Fadenenden durch den Knochen gezogen und über eine knöcherne Brücke am Außenrand des Oberarmkopfes geknotet.

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Nachbehandlung

Diese richtet sich nach der Defektgröße und dem Retraktionsgrad bzw. danach, wie ausgiebig die Sehne vorher mobilisiert wurde. Bei den meisten Sehnenrissen wird der Arm vier Wochen in einem Abduktionskissen gelagert.

Innerhalb der ersten sechs Wochen darf er nur passiv bewegt werden.

Ab der 6. Woche kann der Arm zunehmend assistiert in der Seitwärtsbewegung als auch in der Vorwärtsbewegung gehoben werden. Schnelle, beschleunigende Bewegungen sowie isometrische Belastungen der genähten Sehne müssen unbedingt vermieden werden.

Gleiches gilt für eine unnötige Spannung der Sehne z.B. durch ein Dehnen der Schulter nach hinten. Wichtig ist hier der individuelle Behandlungsplan, den der Operateur dem Patienten aushändigt.

Unser Schulterspezialist

Dr. M. Weiß

Dr. M. Weiß

Schulter

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