Plantarfasziitis / Fersensporn

Kompetenz für Bewegung

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Krankheitsbild

Plantarer Fersensporn / Fasciitis plantaris / Plantarfasziitis

Dieses Krankheitsbild ist definiert als eine Ansatzentzündung der Plantarfaszie am Fersenbein, welche das Fußgewölbe aufspannt.

 

Bei dieser Entzündung bilden sich um mikroskopisch kleine Risse in der Sehne, die zu einer Einblutung in die Umgebung führen und durch Verkalkung der Blutung bei chronischem Verlauf zu einer Spornbildung („Fersensporn“) führen können.

Die Erkrankung ist vergleichbar mit einer Entzündung der Sehne am Ellenbogen („Tennisarm“). Als Hauptursache gilt die Überlastung der Plantarfaszie. So leiden viele Sportler aus den klassischen Laufdisziplinen im Laufe der Zeit an einer Plantarfasziitis.

Eine Überlastung der Plantarfaszie resultiert oft aus einer verkürzten Wadenmuskulatur. Aber auch bei der Ausbildung von Plattfüßen kann es zu einer Überlastung der Plantarfaszie kommen.

Selten kann es durch einen Sturz zu Einrissen in der Plantarfaszie kommen.

Symptome

Typische Beschwerden sind Schmerzen an der Ferse und der morgendliche Anlaufschmerz bzw. Schmerzen nach Ruhephasen.

Diagnostik

  • Klinische Untersuchung
  • Röntgenbilder des belasteten Fußes
  • Fußdruckmessung

Bei therapieresistenten Verläufen ist die Durchführung eines MRT indiziert, um einen größeren Einriss der Faszie auszuschließen.

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Therapie

Die Plantarfasziitis ist meist eine selbstlimitierende Störung, sollte jedoch wegen des ansonsten langen Verlaufs (mittlerer Zeitraum von 16 bis 18 Monaten) konsequent therapiert werden. Andere Ursachen, wie zum Beispiel ein eingeklemmter Nerv, kommen gelegentlich vor und müssen vor der Therapie  ausgeschlossen werden.

Die wichtigste Therapie besteht aus einer Serie von mehrmals täglich konsequent durchzuführenden, exzentrischen Dehnungsübungen der Wadenmuskulatur (Abbildung 2 bis 5).

Abbildung 2

  1. Kreuzen Sie Ihr betroffenes Bein über Ihr anderes Bein.
  2. Fassen Sie den betroffenen Fuß mit der Hand auf der betroffenen Seite und ziehen Sie die Zehen zurück zum Schienbein. Dies sollte eine Spannung / Dehnung im Fußgewölbe erzeugen (links).
  3. Überprüfen Sie die richtige Dehnungsposition, indem Sie den Daumen Ihrer nicht betroffenen Seite vorsichtig von oben nach unten über das Fußgewölbe des betroffenen Fußes reiben. Die Plantarfaszie sollte sich fest anfühlen, wie eine Gitarrensaite.
  4. Halten Sie die Dehnung 60 Sekunden lang und massieren Sie dabei die Plantarfaszie weiter mit kreisenden Bewegungen von oben nach unten (rechts). Wiederholen sie diese Übung dreimal.

Führen Sie mindestens 3 Sätze pro Tag durch (1 Satz = 3 Wiederholungen). Sie können die Dehnung nicht zu oft durchführen. Führen Sie diese Dehnung durch, wenn Sie morgens zum ersten Mal aufwachen, bevor Sie aus dem Bett aufstehen, um die Schmerzen bei Plantarfasziitis zu lindern, die mit den ersten Schritten am Morgen nicht zu schmerzhaft sind.

Abbildung 3

A Stellen Sie sich mit dem Fuß direkt vor eine Wand.

B Positionieren Sie Ihren Fuß langsam so, dass Ihr großer Zeh an der Wand ruht und der Fußballen einige Zentimeter vom Boden entfernt ist. Ihr großer Zeh sollte sich leicht nach oben beugen.

C Beugen sie langsam das Knie in Richtung Wand und erhöhen Sie so den Druck auf den Fuß

D Eine sanfte Dehnung sollte an der Unterseite Ihres Fußes spürbar sein.

E Halten Sie diese Position 15 Sekunden lang und wiederholen Sie die Dehnung fünfmal.

Abbildung 4 A. Während Sie sich mit ausgestrecktem betroffenem Bein hinsetzen, legen Sie ein elastisches Therapieband um Ihren Fußballen.

  1. Ziehen Sie mit dem Band Ihre Zehen in Richtung Nase und halten Sie das Bein auf dem Boden. Sie sollten eine Dehnung an der Unterseite Ihres Fußes und an der Wade spüren.

60 Sekunden lang den Zug halten und dreimal wiederholen. Führen Sie diese Dehnung durch, wenn Sie morgens zum ersten Mal aufwachen, bevor Sie aus dem Bett aufstehen, um die Schmerzen bei Plantarfasziitis zu lindern, die mit den ersten Schritten am Morgen verbunden sind.

Abbildung 5 A Stellen Sie sich wie oben gezeigt auf eine Stufe. Halten Sie das Geländer fest.

B Lassen Sie Ihre Fersen langsam über den Rand der Stufe sinken, während Sie Ihre Wadenmuskeln entspannen. Sie sollten eine Dehnung in der Wade bis zu Ihrem Knie spüren.

C Halten Sie die Dehnung etwa 15 bis 30 Sekunden lang und spannen Sie dann Ihren Wadenmuskel ein wenig an, um Ihre Ferse wieder auf das Niveau der Stufe zu bringen.

D Wiederholen Sie diese Übung 3-mal.

 

Kühlung

Versuchen Sie eine Eismassage, um die Entzündung der Plantarfasziitis zu verringern. Diese Technik hat zwei Vorteile: Das Eis hilft, Entzündungen zu verringern, und die Massage hilft, die Plantarfaszie auf der Unterseite Ihres Fußes sanft zu dehnen.

Alternativ können Sie auch einen leeren Joghurtbecher mit Wasser füllen und dieses dann im Eisfach durchfrieren lassen. Danach können Sie die schmerzhafte Stelle an der Ferse mit dem Eis für 3 bis 5 Minuten lang einreiben.

Abbildung 6 Dazu benötigen Sie eine Faszienrolle oder einen Igelball. Diese Stellen Sie in das Gefrierfach.

Ist die Faszienrolle oder der Igelball durchgekühlt, dann stellen sie den Fuß im Sitzen darauf und rollen Sie den Fuß 3 bis 5 Minuten lang darüber. Diese Übung empfiehlt sich speziell abends.

 

Hilfsmittel

Überwiegt der morgendliche Anlaufschmerz so kann eine Nachtschiene verschrieben werden.

Zusätzlich kann ein Fersenpolster zur Entspannung und damit Linderung führen.

Bei Therapieresistenz ist die Stoßwellenbehandlung (ESWT), eine Corticoid-Injektionstherapie oder eine Eigenblutinjektionsserie (ACP = Autologes conditioniertes Plasma) zu empfehlen.

Stoßwellenbehandlung (ESWT)

Die Stoßwellenbehandlung (ESWT) wird bei einer weiteren Schmerzpersistenz nach Durchführung o.g. Dehnübungen als geeignete und wirksame Methode zur Behandlung der Plantarfasziitis empfohlen [1]. Bei der ESWT-Therapie werden Schallwellen mit hoher Amplitude innerhalb kurzer Zeit erzeugt und auf einer kleinen Oberfläche ausgebreitet. Diese Energie soll demyelinisierte sensorische plantare Nerven hemmen, die Verkalkung verringern, die Proliferation von Wachstumsfaktoren erhöhen und die periphere Durchblutung, Angiogenese und Neovaskularisation im degenerativen Gewebe der Ferse erhöhen.

 

Corticoid- Injektionstherapie

Auch die Corticoid- Injektionstherapie hat sich bewährt. Eine aktuelle Metaanalyse zeigte dabei, dass eine hochintensive ESWT innerhalb von 3 Monaten eine überlegene Schmerzlinderung und Erfolgsrate im Vergleich zur Corticoid- Injektionstherapie aufwies [2]. ESWT und Corticoid- Injektionstherapie weisen jedoch nach 12 Monaten ähnliche funktionelle Ergebnisse und Wiederkehrraten auf. Im Allgemeinen litten viele Patienten nach einer Injektion unter Schmerz während die Patienten nach Stoßwellentherapie weniger Schmerzen hatten. Nach ESWT wurde zudem eine schnellere Rückkehr zur vollen Aktivität beschrieben. Bei der ESWT wurden als unerwünschte Ereignisse pochende Schmerzen, Erytheme und starke Kopfschmerzen beschrieben.

Nach einer Corticoid-Injektionstherapie kann es prinzipiell zu schwerwiegenden Komplikationen wie eine Plantarfaszien-Ruptur, einer Fettpolsteratrophie und einer Osteomyelitis des Calcaneus kommen. Obwohl diese in der o.g. Metaanalyse nicht auftraten.

Autologes Conditioniertes Plasma (ACP)

Autologes Conditioniertes Plasma (ACP) soll die Selbstheilungskräfte verletzter bzw. überlasteter Gewebe durch die Anregung körpereigener Regeneration stimulieren.

Es wird aus körpereigenem Blut gewonnen das aufbereitet und dann an den Ansatz der Plantarfaszie injiziert. ACP ist bereits gründlich erforscht. Es besteht im Wesentlichen aus konzentrierten Thrombozyten und Wachstumsfaktoren. Dabei wird folgender Mechanismus genutzt: Treten im Körper Verletzungen auf, wandern Blutplättchen (Thrombozyten) an den Ort des Geschehens. Die Blutplättchen setzen Proteine frei, die als Wachstumsfaktoren bei der Heilung helfen. Diese sorgen wiederum dafür, dass weitere benötigte Zellen und biologische Bausteine bereitgestellt werden. Durch diese wird die Regeneration bzw. Rekonstruktion der geschädigten Strukturen stimuliert und schmerzhafte Entzündungsreaktionen werden gehemmt.

Die Behandlung der Plantarfasziitis mit einer Eigenblutinjektionsserie (ACP = Autologes conditioniertes Plasma) in Ergänzung zu den oben aufgeführten Eigenübungen ist ebenfalls hilfreich. Sowohl die ACP-Behandlung als auch die ESWT (jeweils in Kombination mit Eigenübungen) zeigten sich im Vergleich zu einer alleinigen Behandlung mit Dehnübungen und ggf. Hilfsmitteln überlegen. In einer Metaanalyse ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen ACP und ESWT in Bezug auf Verbesserungen der Schmerzen und der Funktion [3].

Bei einem schweren Verlauf kann die Ruhigstellung mittels eines Walkers für 6 Wochen notwendig werden. Auch hier kann die Heilung durch eine dreimalige Eigenbluttherapie (ACP) unterstützt werden.

Die operative (minimal-invasive) Therapie sollte nur in Ausnahmefällen bei hartnäckigen Verläufen erwogen werden. Davor sollte aber mindestens eine sechsmonatige konsequente konservative Therapie erfolgt sein.

[1] Lou J, Wang S, Liu S, Xing G. Effectiveness of Extracorporeal Shock Wave Therapy Without Local Anesthesia in Patients With Recalcitrant Plantar Fasciitis: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Am J Phys Med Rehabil. 2017;96:529-34.

[2] Li S, Wang K, Sun H, Luo X, Wang P, Fang S, et al. Clinical effects of extracorporeal shock-wave therapy and ultrasound-guided local corticosteroid injections for plantar fasciitis in adults: A meta-analysis of randomized controlled trials. Medicine (Baltimore). 2018;97:e13687.

[3] Chew KT, Leong D, Lin CY, Lim KK, Tan B. Comparison of autologous conditioned plasma injection, extracorporeal shockwave therapy, and conventional treatment for plantar fasciitis: a randomized trial. PM R. 2013;5:1035-43.

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