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Das Flummi-Magazin interviewt Herrn Prof. Dr. Salzmann zum Thema „Verrückt nach Schnee – Wintersport mit Kindern“.

Fragen sind zum Beispiel: Welche Verletzungsgefahren lauern und wie lassen sich diese vorbeugen?

Professor Salzmann, es heißt, dass sich Kinder seltener als Erwachsene auf der Skipiste verletzen. Was ist dran?

Das stimmt. Bis zu einem gewissen Alter, bis zur Pubertät etwa, sind sie einfach vorsichtiger. Der Vorsicht, aber auch des Körpergewichts wegen ist auch ihre Grundgeschwindigkeit geringer.

Meist sind Kinder zudem sportlicher als Erwachsene Skifahrer, die oft das Jahr über wenig oder gar keinen Sport betreiben und nur ein- oder zweimal in der Saison Skifahren gehen.

Und auch Alkohol ist ein Faktor für Verletzungen, der bei Kindern nicht relevant ist. Nicht zuletzt sind Kinder deutlich flexibler oder dehnbarer, das heißt, es ist eine gewisse Toleranzgrenze gegeben bis etwas reißt, bricht oder kaputt geht.

Und wenn etwas kaputt geht, sind es am ehesten die Knochen?

Gerade die Knochen sind bei Kindern und Jugendlichen viel elastischer als bei Erwachsenen. Sie haben eine Knochenhaut, die den Bruch oft direkt schient – die sogenannte Grünholzfraktur. Das heißt, der Bruch muss nicht so dramatisch sein wie bei Erwachsenen.

Welches sind die häufigsten Verletzungen auf der Piste?

Zunächst müssen wir zwischen Skifahrer und Snowboardfahrer unterscheiden. Der Skifahrer hat zwei Bretter, die sich in alle möglichen Richtungen verdrehen können.

Die häufigsten Verletzungen ergeben sich dabei an Hüfte, am Knie und Sprunggelenk mit Bänderverletzungen, wie Kreuzbandrisse oder Unterschenkelbrüche – das sind die typischen Verletzungen auch bei jungen Skifahrern.

Und beim Snowboarden?

Beim Snowboardfahrer ist es anders, da beide Füße fest auf einem Brett fixiert sind. Da er wenig Spielraum hat, sind die Verletzungen eher bei den oberen Extremitäten: Handgelenksbrüche oder Schlüsselbeinfrakturen. Und: Snowboardfahrer erleiden häufiger Gehirnerschütterung als Skifahrer, weil sie eher auf den Kopf fallen.

Als ungeübter Snowboarder verkantet man schnell und fällt dann zack wie ein Baum um und der Kopf knallt nach hinten. Der Impuls vom Unfall wird direkt auf den Kopf übertragen. Zwar geringer als ohne Helm, aber es kann passieren. Wir haben jetzt wichtige anatomische und altersbedingte Grundlagen kennengelernt.

Gerade bei jungen Patienten muss die Versorgung eines Schadens am Kniegelenk früh und effektiv erfolgen, damit die sportliche Aktivität wieder erlangt wird und das Gelenk vor einem vorzeitigen Verschleiß geschützt wird.

Wie können wir Eltern vorsorgen oder was können wir tun, um möglichst Verletzungen bei unseren Kindern zu vermeiden?

Das wichtigste ist: Führen Sie die Kinder langsam an den Wintersport heran. Nichts übertreiben, Befi ndlichkeiten der Kinder erkennen. Neben Gesprächen über Gefahren und Risiken, sollte von Anfang an die Helmpflicht und Schützer zu tragen, selbstverständlich sein.

Wenn man es sich leisten kann – wobei es schon eine grundsätzliche Empfehlung ist – sollte man die Kinder mit professioneller Unterstützung einsteigen lassen, also: einen Skikurs machen. Ein Profi kann das einfach besser – das ist in unseren Jobs ja nicht anders.

Und was können wir konkret als Eltern tun?

Achten Sie zum Beispiel darauf, wenn das Kind müde wird. Denn dann lässt die Konzentration nach und die Verletzungsgefahr steigt automatisch. Das gilt auch, wenn das Kind krank oder schlapp ist.

Sinnvoll ist es, Aktionen langsam zu steigern und erst zu erlauben, wenn das Kind in der Lage ist, diese zu bewältigen – ohne Druck auszuüben. Das heißt, nach einem Tag Skikurs gleich am nächsten auf eine lange Piste zu gehen, wäre nicht der richtige Ansatz.

Auch die äußeren Umstände sollten berücksichtig werden. Bei schlechten Schneeverhältnissen, vollen Pisten oder wenig Sicht steigt die Verletzungsfahr dramatisch an. So ein Tag lässt sich zum Beispiel hervorragend im Schwimmbad verbringen.

Haben Sie abschließend noch einen Tipp von (angehenden) Skifahrer-Eltern zu Skifahrer-Eltern?

Nicht unbedingt bei der Ausrüstung sparen. Damit meine ich, dass man die Ausrüstung, die man vom Onkel vor 25 Jahren geschenkt bekommen hat, nicht nehmen sollte. Die Ausrüstungen haben sich vor allem hinsichtlich der Sicherheitsstandards bei Schuhen und Bindungen einfach verbessert.

 

08. - 09.12.2017​

Frankfurt am Main

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